Aktualisiert am
Gluckernde Geräusche, ein Heizkörper der oben kalt bleibt, ein Raum der einfach nicht warm wird: In den meisten Fällen steckt Luft im Heizsystem. Die bekommen Sie mit etwas Geduld selbst heraus. Diese Anleitung beschreibt das Standardvorgehen und zeigt, wo Sie besser aufhören und den Fachbetrieb rufen.
Kurz gesagt
Thermostate voll aufdrehen, die Anlage rund 30 Minuten aufheizen lassen, dann die Umwälzpumpe abschalten und 30 bis 60 Minuten warten. Anschließend am Entlüftungsventil des Heizkörpers ein Gefäß unterhalten, das Ventil eine Vierteldrehung öffnen und die Luft entweichen lassen, bis blasenfrei Wasser austritt. Danach den Anlagendruck prüfen und bei Bedarf nachfüllen.
Was Sie dafür brauchen
Viel ist es nicht. Den Entlüfterschlüssel gibt es in jedem Baumarkt; bei manchen Heizkörpern passt auch ein Schlitzschraubendreher.
Werkzeug
- Entlüfterschlüssel (Vierkant) oder passender Schraubendreher
- Gefäß zum Auffangen des Heizungswassers
- Lappen oder Tuch
Material
- Bei Druckverlust: Wasser zum Nachfüllen über die Füll- und Entleerungsarmatur
Schritt für Schritt
Schritt 1
Heizung aufdrehen und aufheizen lassen
Drehen Sie alle Thermostatventile vollständig auf und lassen Sie die Anlage etwa 30 Minuten laufen. Das Wasser zirkuliert und trägt die Luft in Richtung der Heizkörper.
Schritt 2
Umwälzpumpe ausschalten und warten
Schalten Sie die Umwälzpumpe aus und warten Sie etwa 30 bis 60 Minuten. Ohne Strömung steigt die Luft nach oben und sammelt sich an den höchsten Punkten der Anlage.
Wie die Pumpe abgeschaltet wird, unterscheidet sich je nach Anlage und Regelung – bei modernen Geräten oft über ein Servicemenü. Im Zweifel in die Anlagendokumentation schauen oder den Fachbetrieb fragen.
Schritt 3
Anlagendruck ablesen und notieren
Lesen Sie den Druck am Manometer der Heizungsanlage ab und notieren Sie den Wert. Nach dem Entlüften brauchen Sie ihn als Vergleich, weil beim Ablassen von Luft und Wasser der Druck sinkt.
Schritt 4
Gefäß unterhalten und Ventil öffnen
Halten Sie das Gefäß unter das Entlüftungsventil am oberen Ende des Heizkörpers. Öffnen Sie das Ventil mit dem Entlüfterschlüssel vorsichtig um etwa eine Vierteldrehung – nicht ganz herausdrehen.
Schritt 5
Luft vollständig entweichen lassen
Lassen Sie die Luft hörbar entweichen, bis blasenfrei Wasser austritt. Das Heizungswasser kann heiß sein und färbt Textilien – Gefäß und Lappen nicht weglassen.
Schritt 6
Ventil schließen und nächsten Heizkörper entlüften
Schließen Sie das Ventil handfest, sobald nur noch Wasser kommt, und wiederholen Sie den Vorgang an den übrigen Heizkörpern.
Zur Reihenfolge kursieren unterschiedliche Empfehlungen. Halten Sie sich an die Vorgabe Ihrer Anlagendokumentation und behalten Sie die gewählte Reihenfolge bei, damit Sie keinen Heizkörper übersehen.
Schritt 7
Druck prüfen, nachfüllen und Pumpe wieder einschalten
Prüfen Sie den Anlagendruck erneut. Liegt er unter dem Sollwert Ihrer Anlage, füllen Sie langsam Wasser nach und entlüften Sie anschließend noch einmal. Zum Schluss die Umwälzpumpe wieder einschalten.
Anlagendruck prüfen und nachfüllen
Beim Entlüften entweicht neben der Luft immer etwas Wasser. Der Druck in der Anlage sinkt dadurch – bei zwei, drei Heizkörpern kaum spürbar, bei einem ganzen Haus deutlich. Deshalb der Blick aufs Manometer vor und nach der Aktion.
Welcher Druck der richtige ist, hängt von Ihrer Anlage und vor allem von der Gebäudehöhe ab: Je höher das Haus, desto mehr Druck ist nötig, damit auch der oberste Heizkörper noch versorgt wird. Den Sollwert finden Sie in der Anlagendokumentation, häufig auch als Markierung am Manometer selbst.
Fällt der Druck immer wieder ab, obwohl Sie nachgefüllt haben, ist das kein Entlüftungsproblem mehr. Dann verliert die Anlage irgendwo Wasser oder das Ausdehnungsgefäß arbeitet nicht mehr richtig – beides gehört überprüft.
Häufige Fehler
- Das Ventil ganz herausdrehen. Eine Vierteldrehung reicht. Ist der Stift komplett heraus, tritt schlagartig heißes Wasser aus und lässt sich nicht mehr ohne Weiteres stoppen.
- Die Umwälzpumpe laufen lassen. Solange das Wasser zirkuliert, wird die Luft mitgerissen statt sich zu sammeln. Das Entlüften geht dann ins Leere.
- Den Druck nicht kontrollieren. Nach dem Entlüften mit zu wenig Druck weiterzuheizen, führt zu genau den Symptomen, die Sie gerade beseitigen wollten.
- Zu früh aufhören. Erst wenn blasenfrei Wasser austritt, ist der Heizkörper wirklich leer. Ein kurzes Zischen genügt nicht.
- Die Fußbodenheizung wie einen Heizkörper behandeln. Sie wird über den Verteiler entlüftet und meist gespült, nicht über ein Ventil am Heizkörper.
Wann ein Fachbetrieb ran muss
Entlüften ist Routine. Bei diesen Anzeichen hört die Heimwerkerarbeit aber auf:
- Der Anlagendruck fällt wiederholt ab – Verdacht auf Leckage oder ein defektes Ausdehnungsgefäß.
- Es tritt Wasser an Ventilen, Verschraubungen oder am Kessel aus.
- Heizkörper bleiben trotz mehrfachem Entlüften kalt – oft ein Hinweis auf ein klemmendes Ventil oder einen fehlenden hydraulischen Abgleich.
- Aus dem Ventil kommt gar nichts, weder Luft noch Wasser.
- Es geht um eine Fußbodenheizung oder eine größere Anlage im Mehrfamilienhaus.
- Sie hören Geräusche, die nach dem Entlüften nicht verschwinden.
Wenn Sie an diesen Punkt kommen oder die Anlage ohnehin in die Jahre gekommen ist: Wir übernehmen Wartung, Störungssuche und Erneuerung. Zu unseren Heizungsleistungen
